Bericht Marcus "Ein Abstecher zu den Räucherkerzen"     

Ein Abstecher zu den Räucherkerzen

Für mich stand zu Beginn der Saison fest, dass ich ein deklariertes 600 km-FAI- Dreieck fliegen will! Jedoch revidierte ich das Ziel beinahe so schnell, wie es mir in den Sinn kam. Da ich mir fest vorgenommen habe mich während der Studienzeit eher dem Studium zu widmen, anstelle der Fliegerei. Das Fliegen unter der Woche fiel für mich flach. Letztlich sollte doch wenigstens ein 500 km Dreieck möglich sein. Dieses Ziel wollte ich am 01.08.2012 in die Tat umsetzen.

Der Plan für den Tag

Der eigentliche Flugweg für diesen Tag, so hatte ich mir das theoretisch vorgestellt, sollte von Kamenz über Bautzen-Ostrov-Lüsse und wieder nach Kamenz führen, in Summe knapp über 500 km FAI. Die Idee beruhte im wesentlichen auf der Tatsache, dass ich gerne neue Regionen kennenlernen möchte und nicht immer das Standard-Dreieck: auf Fläming hoch „eiern“- dann auf die Ölspur, südlich Berlin entlang „gasen“ bis nach Polen um sich anschließend über die Kraftwerke Peitz, Schwarze Pumpe nach Hause zu hangeln. Einen ersten Versuch hatte ich bereit zum Männertag mit Floh probiert, dieser fand jedoch in Jicin sein jähes Ende. Trotz Außenlandung war es ein abwechslungsreicher und landschaftlich sehr reizvoller Flug. Wir probierten, abweichend von den für uns üblichen Flugrouten von Kamenz, etwas anderes und wären bestimmt noch weiter gelflogen, wenn das Wetter es erlaubt hätte – Wind war schließlich mehr als genug vorhanden.

Wetter

Wie wir alle wissen bzw. wissen sollten, ist die Wettervorbereitung entscheidend für die Flugplanung. Vorhergesagt war ein leichter Warmlufteinfluss ;( und CU-Basishöhen von max. 1500-1700 m MSL im Gebirge im Westen zunehmend mit Abtrocknungstendenz, und leichter Wind aus S-SW. In Richtung Fläming und Südbrandenburg sollte die Thermik-/Wolkenentwicklung später losgehen, und die Basis deutlich niedriger sein.

Ich mach’s kurz. Im Prinzip sahen die bunten Bilder vom „Wetterjens“ im Gebirge am besten aus ;D. So schien mir mein Vorhaben an sich gut überlegt. Erst ins Erzgebirge zu fliegen, um dann am frühen Nachmittag in Richtung Lüsse abzubiegen, wenn sich dort brauchbare Wolken entwickelt haben. Veranschlagt hatte ich ca. 7,5h. Bei einem Start um 10:30 Uhr hätte ich gegen 18:00 Uhr wieder da sein sollen. So sah zumindest der Plan aus.

Der Flug

Nach dem Briefing um 9:00 Uhr und dem Halle ausräumen, habe ich mir mein Schätzelein, die „LG“ vorbereitet. Abflugbereit war ich gegen halb elf.

Der Wettergott hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht: Keine Wolken! Und keine Anzeichen für thermische Entwicklungen. So dass es vorerst hieß: Auf Wolkenentwicklung warten bzw. so lange zu warten, bis überhaupt thermische Aktivitäten zu beobachten sind. Die Zeit rann dahin. Es wurde 11:00 Uhr, 11:30 Uhr, ich wurde unruhig, 11:50 Uhr, ich sah mein Vorhaben mehr als gefährdet. Hoffnung auf ein baldiges starten war immer noch nicht in Sicht. Ich hüpfte im Kreis und wollte eigentlich los, doch keiner von denen die bislang gestartet sind, ist hängen geblieben.

Plötzlich sah ich, den soeben gestarteten Bocian einkreisen, er hält die Höhe, er steigt ein wenig. Ich dachte nur: „Jawohl! Jetzt geht es los“. Also an den Start und nix wie los. Startzeit: 11:57 Uhr MESZ. Der Bocian flog immer noch und kreiste über Jägermeister im blauen. Ich flog also zu Arne, der im Bocian saß, kreiste ein und die Enttäuschung war mir ins Gesicht geschrieben, ein mittleres Steigen von einem halben Meter. Das konnte ja heiter werden. Mühsam ernährte sich also das Eichhörnchen. Immer bemüht das Optimum herauszuholen, zentrierte ich den Bart weiter, Arne folgte mir im Vertrauen darauf, dass ich wüsste was ich tue. Das Ende vom Lied war, dass der Bart in 700 m weg war. Alles oder nichts, ich entschied mich in Richtung Bautzen abzufliegen. Am Abend erfuhr ich dann, das Arne landen musste, weil ich im angeblich den Bart “zerrührt“ habe ;).

Nun ging es also los. In einem Höhenband zwischen 500-700m flog ich eher schlecht als recht aber hoch motiviert nach Bautzen. Das Steigen war mies mit maximal einem Meter, keine Wolken und die Zeit, ja die Zeit lief weiter, was sollte sie sonst tun. Nach rund 40 Minuten kam ich endlich in Bautzen, erster Wendpunkt, an. Südwestlich der Stadt konnte ich erste Entwicklungen ausmachen. Also nichts wie hin. Die Steigwerte waren unter den Wolken besser. Ich entschied direkt in Richtung Erzgebirgskamm zu fliegen, da dort die Wolken besser aussahen. Dies bedeutete aber eine Kursabweichung von 45 Grad. Ein also nicht unwesentlicher Umweg. Die deutsch-tschechische Grenze erreichte ich südlich Bad Schandau. Der Flug über das landschaftlich sehr schöne Elbsandstein war eigentlich schon Belohnung genug und ich habe bereut meinen Fotoapparat nicht dabei gehabt zu haben.

Bedingt durch den Südwind reihten sich die Wolken in Nordost-Südwest-Richtung auf der deutschen Seite des Erzgebirges auf. Die Wolkenuntergrenze lag bei 700-1000 m über Grund, MSL also max. 1500 m.

Durch das Böhmische Becken zu fliegen, schien mir Angesichts der Tatsache das in Richtung Süden 20-30 km keine Wolken auszumachen waren, nicht ratsam. Deshalb nahm ich die geringere Höhe über den Kamm in Kauf und flog durch die Warmluftsuppe in einem Höhenband von 500-1000 m GND über das sehr schöne Erzgebirge, linkerhand konnte ich in das industriell geprägte Böhmische Becken blicken, vorbei zog Usti und Most. Die Steigwerte waren deutlich besser wenn man die Bärte traf. Mit der Problematik der Außenlandung beschäftigte ich mich nicht näher, da mir trotz der geringen Höhe immer noch die Alternative blieb nach Tschechien abzugleiten. Dort bieten sich immer Landemöglichkeiten. Zugegeben löste dieser Gedanke doch ein wenig Unbehagen aus, die Gegend ist doch recht hügelig. Es lief ja auch einigermaßen und Daumen hoch die Sicht wurde besser, so verdrängte ich die Gedanken an eine Landung. Weiter ging es nach Komotau und langsam kam der Fichtelberg mit 1214 m in Sicht. Da die Basis nicht weiter anstieg und Ostrov der 2. Wendepunkt Südwestlich vom selbigen lag, entschied ich mich rechtzeitig auf der tschechischen Seite des Kamms, also im flacheren Terrain, entlang zu fliegen. Dort entstanden in unmittelbarer Nähe zu den Bergen auch wunderschöne Wolken. Ich verließ also den Kamm und steuerte die erste, in meinen Augen schöne, Wolke an. Zu meinem Entsetzen täuschte der erste Eindruck. Die Dinger zogen einfach nicht. Das Gebirge hat die thermischen Aufwinde regelrecht abgesaugt. Etwas Höhe hatte ich noch. Also weiter, Kurs Richtung Wende. Da ich einmal den Kamm verlassen haben und nicht wieder genügend Höhe „tanken“ konnte, ging es mit der restlichen Höhe weiter zur Wende. Zu meiner Rechte bestaunte ich den Fichtelberg. Die Sache war nur die, dass ich Ihn von unten nach oben ansah und nicht umgedreht. Im „Gebirge“ zufliegen ist schon etwas anderes als im Flachland. Langsam überkam mich das beunruhigende Gefühl, wie soll ich denn da wieder rüber hüpfen, wenn die Wolken nicht ziehen. Guter Rat ist in solch einer Situation teuer. Bevor ich das Problem lösen musste, hatte ich erst einmal ein viel größeres, meine Höhe neigte sich Zusehens dem Ende und Steigen war nicht in Sicht. Meine Lust in der Tschechischen Republik zu den Kühen zu gehen, war doch eher gering. In Ostrov meiner Wende kam ich in ca. 600 m an. Ein Sprung nach Deutschland, in die Heimat, war unmöglich. Obwohl die Optik phänomenal geworden war. Es war nichts mehr von der Warmluft zu sehen und es entwickelten sich Wolkenaufreihungen genau auf meinem nächsten Schenkel. Nur was nützt mir das, wenn ich in Ameisenkniehöhe auf der falschen Seite des Erzgebirges hänge. Ich versuchte verzweifelt Höhe zu gewinnen. Doch es ging nur Abwärts. Ich hatte mich schon damit abgefunden in Ostrov auf dem UL-Flugplatz zu landen. Meine Höhe betrug nur noch 400 m. Mittlerweile war es schon 14:42 Uhr lokal. Aber so lang es möglich war kreiste ich was das Zeug hielt. Das ist ein richtig doofes Gefühl, wenn man weiß, dass es das wahrscheinlich war und man ist ganz weit von zu Hause weg in einem “fremden“ Land, ganz großes Kino. Ich fuhr das Fahrwerk aus und hatte mich mit meiner Außenlandung abgefunden und dachte wenigstens ist es ein Flugplatz.

Doch urplötzlich es zuppelte, mit dem Gedanken jetzt oder nie ein Kreis geht noch… und es war einen positives „Nullerschen“. Wunderbar! Es geht nach oben. Hoffnung keimte auf, nach ein paar Kreisen wurde es mehr und es ging mit 1,0 Meter nach oben. Ich war gerettet, vorerst gerettet.

Es sah ganz danach aus als ob es von nun an nur so rennen würde. Die Wolken sahen prima aus und ich entschied mich nicht bis an die Basis ran zu steigen. Dies sollte sich als folgenschwerer Fehler herausstellen. Die Überlegung war simpel. Die Optik sieht so gut aus, da kurbelt man nicht bis an die Wolken ran, sondern versucht die Höhe im Geradeausflug zu gewinnen. Logisch oder? P.S. die Weisheit stammt von Blondi und TimTom(„weiter“). Demzufolge beendete ich das Kurbeln in 1550 MSL, wobei die Basis derweil etwa 200-300m über mir war. Aber kein Ding, die Höhe hole ich vor dem Sprung durchs schwabbeln. Meine Entfernung zum Kamm betrug etwa 5-7 km unter den Wolken trug es gut, jedoch ging es dazwischen ordentlich nach unten. Aber dies sollte kein Problem sein, denn bei der letzen Wolke vor dem Sprung wollte ich mir die fehlende Höhe holen.

Ich flog die Wolke an. Warten, warten, warten bis es richtig drückt und dann einkreisen. In der Mitte der Wolke war immer noch kein Steigen. Ich flog weiter unter der Wolke, machte ein paar Suchbewegungen. Pustekuchen, kein Steigen! Im Nachhinein betrachtet, handelte es sich um dieselbe Situation wie bei Hinflug und der Entscheidung den Kamm zu verlassen. Die Wolken in unmittelbarer Nähe zum Berg haben nicht gezogen. Diese Erkenntnis musste ich nun wiederholt machen. Die Höhe reichte aber um einigermaßen nach Deutschland einzufliegen, so dass die Sehnsucht nach Hause zu fliegen größer war, als umzudrehen und einen erneuten Anlauf, mit einer größeren Höhenreserve, zu nehmen. Das war der zweite große Fehler, der spätestens den Ausschlag für die spätere Außenlandung gab.

Mit Nord-Kurs ging es über dem Kamm, etwa in Augenhöhe mit dem Fichtelberg. Anschließend entsprach der Geländeabfall etwa dem Gleitwinkel der LS 1. Da ich mittlerweile etwa 600 bis 800m unter den Wolken war, war es schwierig sich an den Wolken zu orientieren. Steigen fand ich keines. Also weiter abgleiten und hoffen, doch noch einen rettenden Bart zu finden. In der Ferne erkannte ich mehrere unbewaldete Flächen, welche eine Ortschaft umschlossen. Dies war meine evtl. Außenlandemöglichkeit. Den Bewuchs konnte ich jedoch nicht ausmachen, ich ging aber davon aus, dass diese Felder abgeerntet sind. Um diese jedoch zu erreichen, musste einen Bergrücken überflogen werden. Ich war mir völlig unsicher was ich tun sollte, es sah optisch verdammt knapp aus. Wenn es nicht funktioniert, sähe es schlecht aus. Das Gelände war unlandbar. Im Tal nur Wälder und auf dem Höhenzug standen vereinzelt Bäume. Es musste also klappen. Mit Überfahrt, wegen dem zu erwartendem Lee des Bergrückens, weiter in Richtung Ortschaft, dabei habe ich mir fast sprichwörtlich in die Hose gemacht – laut Loggerauswertung betrug meine Höhe 180 m AGL! Die Situation war somit ziemlich brenzlig. Es hat Gott sei Dank geklappt und ich denke, dass ich meine Lektion gelernt habe.

Nach dieser Passage beruhigte sich mein Puls ich erreichte die Ortschaft in ca. 300 m über Grund. Zur Sicherheit fuhr ich sogleich das Fahrwerk aus und behielt den ausgewählten, hügeligen Landeacker fest im Blick. Weiter zu fliegen war nicht möglich, noch so eine Dummheit wie kurz zuvor zu begehen wäre dumm gewesen. Daher blieb ich in Reichweite meines Feldes, mit der insgeheimen Hoffnung doch noch einen Aufwind, der durch die sonnenbeschienen Felder ausgelöst werden könnte, zu erwischen. Auf mein PDA blickend, erkannte ich das in meiner Nähe ein anderer Segelflieger war, doch war dieser über 1000m Höher als ich. Dies trug nicht zu einer Besserung meiner Stimmungslage bei.

In schätzungsweise 200 m in den Queranflug einfliegend, entschied ich mich für die Landung. Es wurde meine erste Hanglandung. Das hieß mit Überfahrt anfliegen. Der Anflug führte mich direkt über den Ort, vorbei an einem Neubaublock, direkt auf das Feld welches auf der rechten Seite von einem Wäldchen umgeben war. In 20-30m Höhe erkannte ich vor mir eine Art Graben oder Buschgrube, dem ich in einer Linkskurve ausweichen musste. Das ansteigende Gelände viel aber auch nach links ab, dies erschwerte die Einschätzung der eigentlichen Fluglage ungemein. Aber alles gelang. Ich fing ab, schwebte aus, dabei hatte ich immer noch eine Querneigung nach links, setzte auf. Dabei berührte die rechte Fläche wahrscheinlich den Boden, sodass ich etwas zu driften begann. Mit der letzte Fahrt wollte ich mich quer zum Hang stellen, um ein rückwärts rollen des Flugzeuges zu vermeiden. Ich war aber so schnell so langsam geworden, dass es nicht mehr vollständig klappte. Die Else kam um 15:10 Uhr MESZ zum stehen.

Nach der Landung

Das Austeigen gestaltete sich so zu einer kleinen Competition. Mit dem Knie versuchte ich die Bremsklappe voll auszufahren, da dadurch die Bremse betätigt wird, und gleichzeitig nahm ich die Haube ab. Sodann sprang ich so schnell es mir möglich war aus der Else und rannte um den Flieger. Dabei begann sie schon sich zu bewegen. Nun drehte ich den Schwanz vollständig, sodass die Else mir nicht mehr den Hang hinunter “abpfeifen“ konnte. Anschließend schaute ich mir das Rad an, da ich vermutete das durch die driftende Bewegung bei der Landung ein Schaden entstanden sein könnte. Zum Glück alles heile. Meine erste Hanglandung ist gut ausgegangen, mir geht’s gut der Flieger scheint ganz zu sein, also alles richtig gemacht. Alles top.

Nun stellte sich die Frage wo ich den eigentlich bin? Hinter mir befand sich der Neubaublock an dem ich vorbei geflogen bin. Nahezu jeder Bewohner schaute aus dem Fenster heraus um zu sehen, was passiert war. Meine Karte verriet mir, dass ich wahrscheinlich in Crottendorf gelandet war.

Am Rand des Feldes erkannte ich zwei Jungspunde, also lief ich auf Sie zu. Bei Ihnen angekommen erkundigte ich mich nach dem Namen der Ortschaft. „Das ist Crottendorf.“- Gut das habe ich mir schon gedacht. Und wie heißt die Straße zu dem Neubau. „Straße des Friedens.“ Super Sache, das war also geklärt. Sogleich habe ich versucht Ali anzurufen, er wollte mich zurückholen. Großes Damentennis! Ali geht nicht ans Telefon. Also rief ich Michael auf dem Turm in Kamenz an, um meine Außenlandemeldung abzugeben, mit der bitte diese an Ali weiterzuleiten. Es war mittlerweile 15:40 Uhr. In der Zwischenzeit habe ich mit den Jungs den Flieger vom Hügel runter geschoben, näher an die Straße und den Neubaublock heran. Die Mieter des Blocks bestaunten mich, oder zumindest die Else immer noch. Irgendwie fühlte man sich wie im Zoo.

Nach und nach kamen dann auch, wie bei jeder Außenlandung die ersten Kinder. Und dann sagt man erst einmal seine Standardsätze auf: „ Nein, der Wind war nicht alle. Ich bin auch nicht abgestürzt das ist mehr oder weniger normal (für mich zumindest) und nein, das Ding hat keinen Motor usw.“ Irgendwann kam dann noch eine Rasselbande von kleinen Knirpsen mit ihren Muttis an. Diese erzählten mir, dass ich ganz knapp über den Kindergarten geflogen sei und jetzt die Attraktion des Dorfes bin. So muss das sein ;).

„Von woher kommen Sie denn?“ - Aus Kamenz.

„Von so weit her?“ - Nu. Dann habe ich ein wenig meinen Flugweg beschrieben und wo ich eigentlich noch hin wollte. „Soweit können Sie fliegen.“- Ja eigentlich aber heute anscheinend nicht ganz so weit. Naja so ist das halt. Nachdem die wichtigsten Fragen der schaulustigen befriedigt waren, erkundigte ich mich nach der nächsten Kneipe um erst mal dann gröbsten Durst mit einem kühlen Radler zu löschen.

Eine Mutti lud mich auf meine Frage gleich zu sich nach Hause in den Garten ein. Dieses Angebot konnte ich natürlich nicht ausschlagen. Ich musste mich ja noch gedulden bis meine Rückholer da sind und allein auf dem Acker neben dem Flieger zu warten, wollt ich nicht.

Bei der Dame angekommen bekam ich zunächst Kaffee, Kuchen und Wasser serviert. Besser konnte es einfach nicht sein. Aus der Not eine Tugend machen. Wir saßen gemütlich im Garten unterhielten uns sehr nett. Läuft. Die beiden Töchter meiner Gastgeberin gesellten sich zu uns, ich nehm es vorweg die waren zu jung.

Irgendwann rief mich dann endlich Ali zurück und informierte mich, dass sie gegen 17:00 Uhr losfahren und ca. 2,5- bis 3 h brauchen werden. Meine Rückholer waren Ali, Anja und Eva. An der Stelle vielen Dank.

Nachdem ich über 2h im Garten bei der „Mutti“ gesessen habe und sie dann einen Termin wahrnehmen musste, haben wir uns verabschiedet.

So lief ich das kurze Stück zur LS 1 zurück. Auf dem Weg traf ich noch eine alte Dame, die mich sofort als den Piloten identifiziert hatte, ohne mich zuvor gesehen zu haben. Manchmal ist es schon seltsam. Aber der „Blödihut“ ist wahrscheinlich das Merkmal eines Segelfliegers mit dem auch Fliegerlaien einen solchen erkennen können. Ich musste ihr meine ganze Geschichte, wie ich nach Crottendorf gekommen bin, auch erzählen. Anschließend machte ich mich weiter auf den Weg, ich eigentlich wollte ja nach dem Rechten schauen.

Die LS 1 schon fest im Blick, da fingen mich plötzlich viele alte Omas auf dem Weg ab und boten mir an, auf der Bank vor dem Neubau neben Ihnen Platz zu nehmen. Sie hielten mir als Lockmittel gleich ein Bier hin. „ Na klar setzt ich mich zu Ihnen.“ „Vielen Dank fürs Bier.“ Herrlich so ein kühles Bier. So saßen wir da, die LS stand nur ein paar Meter von uns entfernt. Die Omas sagten Sie hätten auf den Flieger aufgepasst, dass sich ja keiner daran vergreift. Sie seien noch die Hausgemeinschaft von damals und würden in Ihrem Block für Ordnung sorgen und treffen sich jeden Tag. - Ah ja. Was für ein Glück für mich. Ich war Kaffeetrinken und die Omis passen auf den Flieger auf. So muss das sein. Die Omas hatten auch schon gut einen Intus, bei einer setzte schon allmählich der Verlust der Muttersprache ein. Fünf ältere Damen über achtzig Jahre und eine so Anfang dreißig. Hatte bis zu meiner Ankunft schon zwei Flaschen Sekt und ein paar Bier getrunken. Respekt. Nachdem ich mein Bier getrunken hatte, merkte ich, dass es auch schon langsam anfängt zu drehen. Ich hatte während des Fluges nichts gegessen und das machte sich nun bemerkbar. Ich wollte eigentlich nichts weiter trinken doch das wollte die Damen nicht so recht einsehen. „So ein junger Mann der kann doch was vertragen.“ Widerstand war zwecklos und das Bier kostenlos. Also genehmigte ich mir noch eines. Eine Oma wollte noch los flitzen und mir Schnittchen schmieren aber das wäre dann des Guten zu viel gewesen.

Auf meine Frage, ob Crottendorf nicht bekannt für die Räucherkerzenproduktion ist, entschwand sofort eine Oma und brachte mir aus ihrer Wohnung zwei Päckchen Räucherkerzen mit. Die anderen meinten nur: „Sei nicht so geizig, warum gibt’s du dem jungen Mann nur zwei Päckchen.“ Schon “sauste“ die nächste los, um noch zwei Päckchen für mich zu holen. Zudem erfuhr ich alles was man über Räucherkerzen wissen muss. Die mit Weihrauch seien die Besten und das Original. Der neumodische schniggi-schnaggi-Duft sei alles Scheißdreck. Aber früher in den 70-igern hätten die Räucherkerzen sowieso besser gerochen. So ist das eben früher war alles besser.

Mittlerweile war die Zeit schon weit voran geschritten, ich saß beim dritten Bier und die Damen hatten Ihre Bilanz auf 3 leere Flaschen Sekt erhöht und machten sich sogleich über die Vierte und letzte Flasche Sekt her. Die Stimmung war dementsprechend sehr heiter. Ich hoffte nur, dass meine Rückholer bald kommen werden, damit die älteren Damen mich nicht restlos unter den Tisch trinken. Bald darauf rumbelte es auf dem Zufahrtsweg zu meinem Feld und da kamen Sie auch schon. Ich war froh, dass Sie da waren. Mein ersten zwei Sätze waren: „Ali kannst du zurückfahren? Ich bin voll.“ Dankenswerterweise hat er sich dazu auch bereit erklärt.

Die LS wurde schnell mit Hilfe von Ali, Anja und Eva abgerüstet. Anschließend verabschiedeten wir uns dann von den Oma’s und machten uns dann auf den 200 km Heimweg. Gegen 22:00 Uhr kamen wir in Kamenz an. Der „Flug“ war damit beendet.

Alles in allem war es einer meiner schönsten und abwechslungsreichsten Flüge, obwohl ich bei weitem nicht die Strecke geschafft habe, und eine meine tollsten Außenlandeerfahrungen (davon habe ich schon viele). Die Betreuung war im Prinzip ziemlich legendär. Trotzdem hoffe ich zukünftig meine Außenlandequote auf ein Minimum zu reduzieren. Vielen Dank an alle Beteiligten.

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